Säuglinge und Kleinkinder

Neuere Verhaltensforschungen

Das in sich schlüssige Konzept von Adler und Dreikurs wird durch die Säuglings- und Kleinkindforschung der letzten zwanzig/dreißig Jahre bereichert. Aus unvoreingenommenen Beobachtungen und sorgfältigen Studien über Säuglinge und Kleinkinder und den Interaktionen mit den Bezugspersonen haben WissenschaftlerInnen bedeutsame Erkenntnisse gewonnen: Wie Säuglinge, vom ersten Lebenstag an, und Kleinkinder, das Leben bewältigen, sind großartige Leistungen, die unseren Respekt verdienen. Unsere Einstellung Kindern gegenüber muss sich daher ändern vom besser wissenden, belehrenden, fordernden Erwachsenen hin zu einem respektvollen, unterstützenden Partner.

Maria Montessori spricht davon, dass „Kinder arbeiten”. Sie strengen sich an, um die für sie unbekannte Welt zu verstehen und zu erkunden, die Vorgänge in ihrem Innern wahrzunehmen, zu beherrschen und ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Schon das Neugeborene ist bei der Nahrungsaufnahme vollkommen konzentriert. Gesicht und Stimme der Mutter beobachtet es fasziniert und kann sie wiedererkennen.

Respektvolle Rücksichtnahme auf das Kind mit dem erstem Lebenstage. Durch liebevolles Beobachten und freundliches, abwartendes Ansprechen können wir sogar schon die Kooperation des Neugeboren bei den pflegerischen Tätigkeiten gewinnen (Magda Gerber, Dein Baby zeigt dir den Weg, http://www.mit-kindern-wachsen.de).

Aus eigenem Antrieb lernt das Kind greifen, werfen, krabbeln, stehen und gehen, sowie die Kontrolle über seine Ausscheidungen und zwar in einer Weise, die seinem jeweiligen Entwicklungsstand entspricht, wenn wir es nicht voreilig drängen, den Reifungsprozess stören und damit sowohl körperliche, wie psychische Schäden verursachen.

Ein auf einander Einstimmen von Eltern und Kindern ist sogar schon während der Schwangerschaft durch besondere Übungen möglich. (Kestenberg)

Der gegenseitige Respekt, vom ersten Lebenstag an, hilft den Eltern, eine freundliche Familienatmosphäre zu schaffen und weiter zu entwickeln. Wenn wir auf die reflexartigen Verhaltensweisen des Neugeborenen achten und später auf die Bewegungsmuster, werden wir beim Stillen, Halten und Tragen dem Säugling die Unterstützung geben, die für seine gesunde körperliche Haltung und sein Wohlbefinden erforderlich ist.

Nach Kestenberg geben uns die speziellen kindlichen Bewegungsmuster Hinweise über die Intentionen des Kindes in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Mit diesem Wissen und den Erfahrungen können wir die natürliche Entwicklung des Kindes fördern und seine Bereitschaft unterstützen, z.B. sich zur geeigneten Zeit von der Brust zu entwöhnen oder die Darm- und Blasenausscheidungen zu kontrollieren.

Unser einfühlsamer Umgang mit den Autonomiebestrebungen des Säuglings beugt Verspannungen, anhaltendem Schreien, vielleicht sogar Koliken, vor und minimiert im Kleinkindalter Trotz und Streit. Ähnliches gilt für die Pubertät. Jugendliche, die im gegenseitigen Respekt in Elternhaus und Schule aufgewachsen sind, müssen sich, bei allen hormonellen und körperlichen Umstellungsschwierigkeiten, das Erwachsenwerden nicht ertrotzen.

Durch die auch für Laien verständlichen Fachbücher erhalten Eltern wertvolle Hinweise, wie sie vom ersten Lebensstag ihres Kindes an, es respektvoll beobachten, auf seine Bedürfnisse und auf sein Verhalten eingehen und eine liebevolle, freundliche Atmosphäre schaffen können. (Dornes, Gerber, Kestenberg, Pikler, Stern, Zimmer u.a.)

Die neueren, noch nicht abgeschlossenen Forschungen über die Gehirnfunktionen geben wertvolle Hinweise über Veranlagungen, Umwelteinflüsse und Möglichkeiten des Trainings.